Prof. Dr. Peter Knief

Buchbesprechung vom 15. Juni 2012 – zur 1. Auflage

Zum Autor: www.peter-knief.de

Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln

Glückwunsch: Sander hat mit diesem Praxisleitfaden – Gott sei Dank nicht theoretisch – allen in Finanzierungsverhandlungen verstrickten Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern, Unternehmensberatern, dem Beratungs-Nachwuchs, vor allem aber den Unternehmern ein zielführendes, sehr praktisches, vor allem ein leicht lesenswertes Buch an die Hand gegeben. Damit das richtig verstanden wird, Sander lässt auf 368 Seiten fachlich nichts aus.

Hochschullehrer können diese Thematik so nicht abhandeln, da fehlt ihnen die tägliche fachliche Kommunikation mit Unternehmern und Banken; sie müssen neidlos anerkennen, wie anspruchsvoll im Bereich der Finanzierungslehre die praktische Tätigkeit sein kann.

Das Buch ist heute akuter als zum Ende des Vorjahres, dem Start der Auflage. Die europäische Finanzkrise verschärft sich in einem fast nicht kontrollierbarem Maße: darunter leiden auch zunehmend deutsche mittelständische Unternehmen.

Leider zieht die Insolvenzquote seit März 2012 wieder an – Kreditverhandlungen werden also wieder in der Phase vor der Insolvenzanmeldung zunehmen; hier zeigt Sander viel Gespür für erfolgreiches Verhandeln. Da er das Kreditgeschäft kennt, stimmt hier eigentlich alles: Jahresabschlussanalyse, Rating, Planungsrechnungen, Kapitaldienstfähigkeitsanalyse, Liquiditäts-Planung, Verschuldungsgrenzen u.a.m.

Bei der umfassenden Darstellung der typischen Kreditunterlagen fehlt eigentlich nur der Hinweis, dass betriebswirtschaftliche Auswertungen( BWA), am besten individuelle, nicht nur vierteljährlich abgerufen werden sollten, alle Anbieter von BWA bieten einen Zweijahres- oder Drei- Jahresvergleich, sogar grafisch: hiermit kann man die Entwicklung eines Unternehmens sehr eindrucksvoll darstellen.

Mit dem Erscheinen dieses Buches trat zeitgleich zum 1.3.2012 die Insolvenzrechtsreform (ESUG) in Kraft; zum ersten Mal können Unternehmen in ein Schutzschirmverfahren flüchten: für den Musterantrag gemäß § 270b InsO sind die letzten drei Jahresbilanzen zu analysieren, eine Liquiditäts- Prognose anzufertigen, eine Planungs-Rechnung aufzustellen sowie eine Kapitaldienstfähigkeits-Prognose durchzuführen: alle Gebiete beschreibt Sander sehr ausführlich.

Die Insolvenzordnung erwartet von den so genannten „Bescheinigern“ (in Insolvenzsachen erfahrene Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte) in Zukunft eine so genannte Ex-ante-BWL: Sander kann in der nächsten Auflage dieses Kapitel sehr schnell verwirklichen: nicht betriebswirtschaftlich ausgebildete Insolvenzverwalter, Insolvenzrichter, Rechtspfleger sind dann zusätzliche Adressaten für diesen Praxis-Leitfaden, weil sie aus ihm ihr fachliches Rüstzeug ziehen können, andererseits dann auch selbst gewahr werden, wie komplex die Kreditkommunikation im Dreiecksverhältnis „Unternehmer – Berater – Bank“ sein kann.

Die Kreditwirtschaft wird wegen Basel III ihr Analyseverhalten verschärfen müssen – damit wird die „Bankenkommunikation“ zwischen den Beteiligten anspruchsvoller: „glauben“ kann ein Kreditgeber nur, wenn die Gesprächsebene gleichen Sachstand hat. Sander zeigt, wie das zu verwirklichen ist: Gesprächsvorbereitung, Präsentieren, Besprechen, Transparenz. Das alles macht ein gutes Kreditgespräch aus.

Es ist anzunehmen, dass schon im Laufe des Spätsommers 2012 die Kreditwirtschaft hinsichtlich ihrer Restrukturierungskunden in einem ersten Schritt einen fachlichen Druck auf die Berater nehmen wird: Hier kann den Beratern dieser Kunden der Praxis-Leitfaden von Sander vor jedem Kreditgespräch nur dienen . Im Verhältnis zu den zeitaufwändigen auszuhandelnden Kredit- Beträgen ist der Preis dieses Buches mit 34,80 € ein Peanut, man sollt es jedem Kreditgesprächs-Teilnehmer zur Vorbereitung schenken.

Das Stichwortverzeichnis ist mustergültig, der Leser kann sich hier schnell und gut in die Texte leiten lassen; dennoch hat der Verfasser ein Stichwort vernachlässigt „Finanzplanung“, obwohl er dem Thema auf den Seiten 195 ff. das richtige Gewicht beimisst.

Interessant ist noch: Sie haben das Buch in Zukunft immer dabei; Sie können über das Internet im Mandantengespräch mit Ihrem Notebook jedes Kapitel erklärend und überzeugend digital aufschlagen.